6.04.2020

Von Beeren, Hochstämmern und Innovationskraft

Auch der Konsum von Früchten und Gemüsen unterliegt Trends. «Heidelbeeren verzeichnen aktuell den grössten Zuwachs», sagt Thomas Lehner, Obstbauer aus Braunau, TG. Warum das so ist, und wieso er für den Aprikosen- und Apfelanbau auf Spindelbäume setzt und nicht auf Hochstämmer, erzählt er im Interview.

 

Thomas Lehner, Braunau TG

 

Thomas Lehner, was ist das Besondere an Ihrer Produktion hier in Braunau, TG?

Wir konzentrieren uns auf Steinobst und Beeren. Neben den Kirschen, die bei uns den grössten Teil ausmachen, bauen wir Aprikosen, Heidelbeeren, Himbeeren, Erdbeeren, Rhabarbern und Zwetschgen an; im Betrieb meines Bruders zudem Äpfel. Wir befinden uns auf 700 Meter über Meer und konzentrieren uns auf die späte Produktion mit späten Sorten, z.B. mit den Kirschen. Mein Bruder hat eine frühe Lage, so können wir gemeinsam die ganze Saison abdecken.

Was ist im Anbau für Sie die grösste Herausforderung?

Der Frühjahrsfrost. In diesem Jahr beschäftigt uns zusätzlich die Frage, ob wir rechtzeitig das benötigte Personal erhalten.

Wie stark sind Sie von der Witterung abhängig?

Die Witterung ist immer ein Thema, aber da wir keine Hochstämmer sondern niedere Spindelbäume und Sträucher haben, können wir uns mit Netzen und Plastiküberdachungen gut schützen.

Hochstämmer, für die die Ostschweiz bekannt ist, sind kein Thema mehr?

Für das Landschaftsbild sind sie schön, aber aus Produktionssicht haben sie Nachteile: Die Ernte ist viel gefährlicher, weil man hohe Leitern braucht, man ist dadurch auch viel langsamer und ältere Mitarbeitende können weniger gut mitarbeiten. In unserem Betrieb ernten wir alles von Hand, aber durch die niederen Sorten auf einer angenehmen Höhe.

Merkt man Trends im Konsumverhalten?
Wir spüren eine starke Zunahme bei den Himbeeren und den Heidelbeeren. Besonders Heidelbeeren sind im Trend, seit in den Hochglanzmagazinen auf jedem Müsli Heidelbeeren abgebildet sind. Mit den Beeren verzeichnen wir die grösste Zunahme. Bei den Kirschen stellen wir fest, dass die Konsumenten grössere Kirschen bevorzugen. Wir haben mit den Kirschen im Jahr 2000 eine eigene Marke gegründet – Cherisa – mit der wir den Premiummarkt ansprechen und zum Beispiel Globus Delicatessa beliefern. Das war zu Beginn unser Zugpferd.

Heidelbeeren

Ist Innovation für Sie als Obstbauer wichtig?
Sehr wichtig – wir versuchen immer wieder neue Wege zu gehen und uns standig zu verbessern. Sei es bei der Verbesserung unserer Anbausysteme, in der Hors-sol-Technik, mit der wir zum Beispiel bei den Erdbeeren einen nahezu geschlossenen Kreislauf haben, mit unserem Wasserreservoir, das wir dazu einsetzen, Regenwasser und die Drainage aufzufangen und dann für die Bewässerung einzusetzen, oder in der Photovoltaikanlage, die uns erlaubt, den Strom für die Kühlung der Früchte im Sommer eigenständig zu produzieren. Das macht die Landwirtschaft so faszinierend: Viele Fachbereiche treffen hier zusammen und der Gestaltungsspielraum ist gross.

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